„Nichtstun“ – ein Geschenk?

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Nachdem Bo und ich 10 Wochen durch ganz Deutschland gelaufen sind, also von ganz unten im Oberallgäu bis nach ganz oben an den nördlichsten Zipfel von Sylt, hat es ne Weile gedauert mich wieder zu orientieren, den Alltag wiederzufinden. Ich denke noch oft ein bisschen sehnsüchtig an das Unterwegssein. Nachdem ich mich eingelaufen hatte, den Trick raus hatte, wie ich es schaffe, mir keine Blasen zu laufen, war das Laufen pure Entspannung. In den ersten 2 Wochen hatte ich noch online einen kleinen Job, danach keine offiziellen Todo’s mehr. Mir wurde es erst hinterher bewusst, dass ich mir da ein unglaubliches Geschenk gemacht hatte, den Luxus fast 10 Wochen NICHTS anderes zu tun zu haben, und ja auch irgendwie nicht wirklich etwas anderes machen zu können, als laufen, vorwärtskommen und dabei meinen Kopf zur Ruhe kommen zu lassen. Natürlich abgesehn vom Platz fürs Zelt suchen, was uns mit der Zeit immer schnurzer wurde. Zuerst sind wir noch stundenlang immer tiefer in die Wälder gelaufen um ja nicht entdeckt zu werden, nach ein paar Wochen haben wir uns nur in den nächsten Knick gepackt, z.B. hinter einen Baum an der B3, an einer Truckerraststätte oder auch mitten aufn Acker. Wir waren fertig nach manchmal 30-35 km laufen. Umplumpsen, bisschen was essen, schlafen. Wobei wir uns im Nachhinein gewundert haben, wie wenig wir eigentlich abends dann gegessen haben. Oft haben wir ’ne Dose Thunfisch und ne Dose Kidneybohnen zusammengekippt, abwechselnd aus der selben kleinen Schüssel gelöffelt, fertig. Wir waren einfach zu müde groß Hunger zu haben. Ich hatte in der Zeit tatsächlich 15 Kilo abgenommen, Bo auch ein bisschen. Und wir waren extrem fit.

Und so richtig Alltag ist es ja immer noch nicht, weil wir vor der Tour unser altes Zuhause aufgegeben hatten, alles eingelagert haben und jetzt hinterher nach Willendorf in Bo’s Bauwagen gezogen sind, während wir unsere Großbaustelle direkt daneben, einen ehemaligen Kuhstall, nach unseren ganz eigenen Vorstellungen ausbauen können.
Es bleibt spannend und ich bin mal wieder soooo froh, wenn wir hier demnächst fertig sind, ich meinen ganzen Krempel herholen kann und dann nochmal richtig aussortieren und minimalisieren kann. Was ich eigentlich schon dauernd und jahrelang mache, aber jetzt kommt bestimmt nochmal viel in die Verschenkekiste. Nach so einer langen Zeit mit so wenig, freu ich mich noch mehr aufs reduzieren, weil mir noch klarer wurde, wie wenig wirklich nötig ist. Jeder Gegenstand weniger in meinem Besitz lässt mich gedanklich weniger damit beschäftigen und gibt somit Platz in meinem Hirn frei. Platz für Schönes, Wichtiges, Spannendes. Oder einfach mal für Luft! ;o)

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Und hier noch ein paar Bilder vom Bau:

1. Der letzte Schöne Tag im Oktober vorm – im wahrsten Sinne des Wortes – Bauwagen.

2. Beim Hochwuchten des dicken Holzgestells haben massig Nachbarn mitgeholfen, dankeschön nochmal! Und auch fürs Vorbeibringen von warmem Esssen und Kuchen, während wir noch keine richtige Küche hatten! So lieb…

3. Eingang zum Atelier fast fertig, Tür und ein kleines Fenster fehlen noch.

4. Bo im Wohnduschkochklo.

Nastrovje!

Tina

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