interview INKEN KRAMP ~ I DONT EVEN KNOW WHY ~ fotoart ausstellung

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fotos zusammen

 

Die Ausstellung I DONT EVEN KNOW WHY von Inken Kramp sollte am 16. Januar 2015 starten, ich war sehr gespannt und um schon mal vorab einen Blick in ihren Kopf zu werfen und einen Einblick in ihre Arbeitsweise zu bekommen, hab ich um ein Interview gebeten. An einem der stürmischsten Tage in diesem Winter saßen wir dann zusammen mit Bo Pohl von wildundbunt.de bei einem heissen Gewürztee.
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TINA: Warum machst du Bilder?

INKEN: Weiß nicht. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Darum heißt meine aktuelle Ausstellung im Lübecker Tonfink auch: I don`t even know why. Das ist wie so ein innerer Zwang. Ich muss das machen.

TINA: Also du hast Bilder im Kopf und denkst, die müssen unbedingt in die Realität umgesetzt werden?

INKEN: Nee, im Kopf hab ich die noch nicht. Ich zieh los mit der Kamera, dann seh ich etwas spannendes und muss es fotografieren und dann muss ich´s auf die Platte bringen. Ja, ich weiß, klingt zwanghaft.

TINA: Das sind alles nicht mehr lebende Personen auf deinen Bildern. Was hat das für`n Hintergrund?

INKEN: Weil ich es spannend finde Totes wieder ein bisschen lebendig zu machen. Eigentlich wäre ich gerne Frau Frankenstein.

TINA: Wie kommst du zu deinen Bildern, was inspiriert dich?

INKEN: Schlechtes Wetter, Nebel, skurriles, morbides, lustiges oder manchmal auch Kitsch, Wolken, Meer, ausgestopfte Tiere,…

BO: Ollis Vater ist Tierpräparator. Der hat im Museum gearbeitet…

TINA: Ja, die haben den Riesenwal präpariert….also das Skelett.

INKEN: Boar, da hat der bestimmt auch ganz viel zu Hause….was man fotografieren könnte?

BO: Das weiß ich nicht.

INKEN: Hach, das wär auch noch mal was, bei einem Präparator fotografieren… die perverse Seite der Tierpräparation interessiert mich. Vielleicht bin ich aber auch nur Voyeuristin.

TINA: An den ausgestopften Tieren?

INKEN: Ja, genau, Tiere auszustopfen ist doch eigentlich total pervers. Oder aus Tierteilen etwas zusammenfriemeln. Als Kind hatte ich früher einen Pandabär mit Echthaar, den hab ich geliebt. Und Knut in Berlin. Ist doch total absurd den auszustopfen und ins Museum zu stellen…damit man sich ihn weiterhin angucken kann. Ihn im Zoo zu halten war ja schon bescheuert. Den muss ich mir demnächst mal angucken.

TINA: Gab’s irgendwie ein ausschlaggebendes Ereignis, zum Beispiel in deiner Kindheit oder so, was dich darauf gebracht hat jetzt in diese Richtung zu gehen -Bilder oder Fotos zu machen?

INKEN: Als ich klein war hab ich viel Monstren, Mumien, Mutationen im Dritten geguckt. Das muss vielleicht verarbeitet werden. Meine Mutter hat gemalt. Das fand ich immer toll. Düstere Sachen, irgendwelche Menschen unter Torbögen. Sah alles leicht russisch aus…und ähm, ich hab immer schon in ihren Bildern rumgemalt… hab ich natürlich tierisch Ärger für gekriegt. Irgendwann hab ich dann eine eigene Staffelei gekriegt.

BO: Ah… in fremden Bildern rummalen…. Ich mein, das ist ja ein bisschen ähnlich, oder? Wenn man’s fotografiert, ist es ja was fremdes, und da drin rummalen…?

INKEN: Momentan mache ich gerne Fotos von Fotos. Ja, das hat was davon. Ich nenne es eine Reproduktion einer Reproduktion machen. Der oder die Fotografin würde vielleicht sagen, dass ich in ihren Bildern rumpfusche (wenn sie noch leben).

TINA: Das ist ja deine erste Ausstellung. Was hast du in der Richtung davor gemacht?

INKEN: Ja … also die Bilder meiner Mutter verunstaltet… oder verbessert. Dann hab ich ne Ausbildung zur Grafikerin gemacht in Lübeck an der Werkkunstschule. Hab mich ein paar Jahre in ’ner Werbeagentur prostituiert und mich dann irgendwann selbständig gemacht. Ich hab gerne Einfluss darauf für wen ich arbeite. Und dann hab ich noch n paar Jahre was andres gemacht…. Da war ich n bisschen kreativ. In den letzten Jahren leider nicht mehr so und das hat mir wirklich gefehlt.

TINA: Aber dann warst du ja trotzdem in deiner Freizeit noch damit beschäftigt…?

INKEN: Wenig. Ich hab mir immer mal wieder ne Kamera besorgt und hab fotografiert. Auch ein wenig gemalt und collagiert. Hab versucht n Weg zu finden…wie man so schön sagt.. mich auszudrücken.

BO: Hast du ne Internetseite geplant?

INKEN: Hui, nee gar nicht. Muss ja gepflegt werden…. Hab ich keinen Bock drauf. Ich möchte auch nicht alles Selbermachen. Finde ich eh schwerer, wenn ich für mich gestalte. Dann verfriemel ich mich in den Dingen, die mir eigentlich keinen Spaß bringen. Den Flyer und die Visitenkarte hat zum Beispiel ein Freund für mich gemacht. Und die find ich super. Ihr habt mich bei der Vorbereitung der Ausstellung unterstützt. Hätte ich allein so nicht hinbekommen. Vor allen Dingen nicht so entspannt.

BO: Ich find das aber total schwer, also einerseits brauchst du den Austausch, um ein Stück weiter zu kommen, oder ein Feedback zu kriegen und andererseits, trotzdem bei seinem eigenen Ding zu bleiben und sich nicht beeinflussen zu lassen, weil die das jetzt total gut findet, der das jetzt total doof findet und dann sein eigenes zu behalten. Das finde ich voll schwer.

INKEN: Das hab ich auch gemerkt. Ich hab n paar Sachen jetzt gemacht, die ich nicht mehr rückgängig machen kann und so eigentlich nicht machen wollte…aber… ist ein Lernprozess.

TINA: Wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

INKEN: Die nächste Serie hab ich schon fotografiert, das werden Bäume und Wolken. Als nächstes würde ich gern großformatiger werden. Das stell ich mir schön vor. So banal das auch klingt, viele Sachen die mache ich auch, weil ich es schön finde, weil ichs mir gerne angucke. Ich guck gerne drauf und verlier mich da drin.

BO: Das is doch geil oder? Wenn man sich in seinem eigenen Kram, den man macht, verlieren kann? Das is das Größte was es gibt.

INKEN: Ich kann mich im Moment auch richtig in meine Bilder verlieben, oder einfach nur in ne Ecke, oder wenn bestimmte Farben aufeinander prallen…

TINA: Könntest du aus dem Stand jetzt drei Lieblingssongs sagen, oder Bands?

INKEN: Bands ja, Violent Femmes, die Ramones und..Pulp.. Ganz früher wars Culture Club / Boy George und David Bowie sowieso, der steht über allen…

TINA: ..ach! (zeigt ihr Bowie-Tattoo) … (allgemeines Gequatsche über Bands und verpasste oder verknutschte Konzerte)

INKEN: Ja Lieblingsbands….ja ich glaub das isses. …ganz unterschiedliche Musik… Phasenweise viel. Gestern zum Beispiel wiedermal Ramones und…Pulp fand ich einfach…Jarvis….

TINA: Ich find den Sänger so komisch, der macht immer so spaddelige Bewegungen.

INKEN: Den fand ich schon immer heiss. Ich mochte seinen Style. Der hatte diese häßlichen Brillen schon vor allen anderen.

TINA: Welche drei Sachen nimmst du mit auf ne einsame Insel?

INKEN: Rolf…. Scheiße, degradiert zur Sache… kann ich das noch verändern? Hm drei Sachen…. Ja, das ist gar nicht so einfach, also ich würde mir ja gerne einen Menschen mitnehmen, eigentlich finde ich die Einsamkeit gut, brauch aber doch eine Gemeinschaft. Hm, in der Gemeinschaft kann man so viel machen und dann braucht man keine Sachen. Manchmal geht mir die Gemeinschaft aber auch ziemlich auf die Nerven und dann würde ich doch lieber wieder … (überlegt lange) ich könnt ja jetzt sagen Lily (ihr Hund), aber dann müßte ich auch sicher gehen, dass sie noch ein langes Leben vor sich hat. Sonst hab ich ja meinen ersten Wunsch vertan, wenn sie in den nächsten zwei Monaten sterben sollte… sie ist ja schon so alt. Geht ja auch gar nicht um Wünsche. Nee warte, das is fast… das ist wie im Restaurant, ich kann mich manchmal einfach nicht entscheiden. Das verändert sich auch, glaub ich. Also ich könnte dir jetzt was sagen, was in dem jetzigen Moment… vielleicht die Kamera. Aber was sollte ich mit der Kamera ohne Computer und ohne Drucker? Vielleicht würde ich lieber technikunabhängig sein. Ich würde auf jeden Fall…. Was zum malen… das kann man sich ja alles herstellen… das brauch man ja nich… ich glaub ich würd n richtig dickes Buch mitnehmen, was ich immer wieder lesen kann. Das ist schon mal das eine. Vielleicht die gesammelten Sherlock Holmes Werke, oder die von Dickens. Ja… und für den Rest brauch ich noch n paar Tage. Hm… n gutes Messer…

TINA: Was macht dich glücklich?

INKEN: hach… mein Leben macht mich grade ganz glücklich. Mein eigenes Tempo leben zu können. Die Menschen, die ich um mich habe, machen mich glücklich. Essen und Musik. Extreme Wettersituationen machen mich glücklich. Nebel…. Macht mich beides… glücklich, aber auch traurig. Wind macht mich glücklich.Eigentlich fand ich Wind immer doof… ich komm ja von Helgoland und da gabs ja fast immer Wind und wenn du auf der Düne warst, hattest du auch immer irgendwie Sand in der Fresse. Aber eigentlich merk ich jetzt grad, dass mich Wind und das Geräusch von Wind ganz glücklich macht (draußen stürmt es grade sehr). Das ist so eine Aufregung die in den Körper geht und mitschwingt. Das ist wie Musikhören. Natur macht mich glücklich, mein Hund macht mich glücklich, mein Kater macht mich glücklich, die Kaninchen machen mich glücklich, Tiere machen mich glücklich. Tiere denen es gut geht machen mich glücklich. Tee macht mich glücklich… schwarzer Tee mit Milch und Mickey Mouse und YPS, ausgestopfte Tiere, die ich fotografiere.

TINA: Ja, ich hatte mich schon über die vielen Fotos von ausgestopften Tieren auf deiner Facebookseite gewundert..

INKEN: Also auf der Isle of man gibt es einen Laden, der nennt sich Jurby Junk. Das ist der Hammer! Die Frau hat da ganz viel Sachen aus Haushalts- und Hotelauflösungen, ganz viel Silber und Teekannen und so was. Aber dann auch so skurrile Sachen wie einen ausgestopften Labradorkopf neben einem ausgestopften Fuchskopf. Pervers, oder?

TINA: Was ist dein größter Traum?

INKEN: Ich hab gerade keine großen Träume mehr. Nee, ich hab kleine Träume. Ich fahr jetzt nach Gomera, das hab ich mir letztes Jahr vorgenommen. Aber ich hab alles.

TINA: Also hast du gar keine großen Träume mehr, weil die sich schon alle erfüllt haben?

INKEN: Viele haben sich erfüllt. Einen Hund zu haben war mein größter Traum. Vor 10 Jahren ist Lily bei uns eingezogen. Das ist immer noch super. Jupp, hab ich mir erfüllt.

(Dann völlig in all unseren Träumen versunken….)

INKEN: Noch ne Frage?

TINA: ..nee, das wars. dankeschön.

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